LET’S GET LOST
Im Rahmen von KunstOffen 2026 präsentiert Isabel Höpner mit LET’S GET LOST eine Werkserie, die zwischen Januar und Mai 2026 entstanden ist. Die Ausstellung versammelt intuitive Malerei, Zeichnung und textbasierte Arbeiten, die persönliche Erfahrungen mit gegenwärtigen Formen digitaler Kommunikation verbinden.
Ausgangspunkt der Serie sind Begegnungen und Gespräche, die während einer Phase intensiver Nutzung von Tinder entstanden. Die Arbeiten entwickelten sich intuitiv auf dem Papier. Farbe, Form und Linie reagieren unmittelbar auf emotionale Zustände, die durch den Austausch mit unterschiedlichen Männern ausgelöst wurden. Wiederkehrend sind intensive Farbkontraste aus dunklem Blau, Rosa, Pink und grellem Orange sowie eine spontane, expressive Bildsprache.
Erstmals integriert Isabel Höpner Sprache direkt in ihre Arbeiten. Mittels Stempel eingebrachte Textfragmente werden zu festen Bestandteilen der Komposition. Die verwendeten Sätze stammen aus Chatverläufen, ersten Nachrichten, Annäherungen, sexualisierten Kommentaren oder kurzen Dialogen, die sich durch ihre Wirkung besonders eingeprägt haben. Manche erscheinen humorvoll oder absurd, andere direkt, irritierend oder unerwartet intim.
Ergänzt werden diese Fragmente durch Auszüge aus Gesprächen mit KI, die die Künstlerin zur Reflexion und Einordnung einzelner Situationen führte. Die KI wird dabei nicht als technisches Thema behandelt, sondern als Teil einer gegenwärtigen Kommunikationsrealität und als Werkzeug zur sachlichen Betrachtung emotionaler Dynamiken.
Eine zusätzliche Ebene erhält die Ausstellung durch den später überarbeiteten Tinder-Profiltext der Künstlerin, in dem bereits eine Distanz zur Schnelllebigkeit digitaler Begegnungen anklingt und gleichzeitig die Sehnsucht nach realen, zufälligen Begegnungen formuliert wird – außerhalb algorithmischer Räume, dafür mitten im Leben, in Kunst, Musik, Bewegung und gemeinsamer Erfahrung.
Ich lasse meine Karte hier einfach liegen.
Hab's im Tinderland ein paar Wochen ausprobiert.
War toll, aber irgendwie isses nicht mein Ding.
Trotzdem will ich hier HI sagen
– und schaue bestimmt mal bei Gelegenheit in die Mailbox.
Wir könnten uns viel lieber einfach über den Weg laufen.
Ich bin überall da, wo Kunst zu sehen ist, ein Museum steht,
ein Vorhang aufgeht, getanzt wird, es schön ist und Menschen Zuversicht haben.
Die Arbeiten konservieren flüchtige Momente digitaler Kommunikation und übersetzen sie in Farbe, Geste und Sprache. Dabei entstehen keine linearen Erzählungen einzelner Begegnungen, sondern vielschichtige Bilder emotionaler Zustände und Projektionen einer Gegenwart, in der Nähe zunehmend über Bildschirme entsteht.
LET’S GET LOST erweitert die bisherige Bildsprache von Isabel Höpner um eine autobiografische und sprachliche Ebene und verdichtet Erfahrungen, die viele Menschen kennen, über die jedoch selten aufrichtig und offen gesprochen wird.
Die Ausstellung ist im Zeitraum 20.–24.05.2026 bei Bluhm's Delikat zu sehen.